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Agnes Beier | profile | all galleries >> wort.net tree view | thumbnails | slideshow

wort.net

himmelsfeuer

himmelsfeuer
im dunstnebel der wiese
abendstille breitet sich im verklang des frühlingsvogelsangs
wie im lautlosen nebel weiter


ein erstes schneeglöckchen klingt


********************************





die windestille weiß..



die windes stille
weiß
um die ruhende zeit
innen

und kanns doch nicht erwarten
anzuwachsen


der sommer prachtet

als wär der scheue frühling vergessen
als gäbs kein ahnen vom herbst

der nachdenkliche herbst
reift ins volle
aus dem vollem
jubelt
dankt
im leuchten der blätter


um sich dann im winter still zu bescheiden

erkargen

entblössen

um mit kahlen leuchterzweigen deren lichter sich im abendrot entzünden
dunkel und still

makellose weiße sterne zu
empfangen

********





nonsens oder nicht...


blutendes blütendes blutes
geh ich frohen mutes
in den frühling über stock und stein
mach mir gar nichts aus dem reim
geh nicht heim
sondern weit fort bis an den stadtrand rand rand fand ich findlinge
meine moosgrutti und samson dabei
nehm sie auf den arm nach haus
bau eine andere familiengeschichte d´raus die noch nicht bekannt doch wahr
zieh die schuh aus meinem kopf
um den kopf nicht zu beschweren schnell entleern!
beim gehn
barfuss ists leichter zu verstehn
barhäuptig auch
auch bar des verstandes dem feldwebel der intelligenzia zum imponieren
ignoranzia
der emotio na!
ich ignoriers schon nicht das hirn
ausser zum denken ists zu nix gut
und zum tragen von einem hut
oder zwei oder drei
fang den hut
kinderspiel
fang doch mich
wennst gschwinder bist
list?
ob du deswegen gschwinder bist?
ich fühl voraus und hintendrein für ungutlinge gar nicht fein für mich selbst oft der letzte rest eines wiederentwickelten wiedererinnerten stammhirnes des stammbaumes in der kopfseele nicht zum hirnen
sondern um die hirnrrrrrrrrestumgebung die noch viel größer
zu beleben
erfühlen
fühler hinaus! hoffentlich

und unsere herzen auch
09.04.09


sandkörner
verweht ins meer
und zurück zum strand..

väter großmütter brüder und schwestern


millionen tränen wachsen zu unzähligen perlen

im innersten
verborgen leuchtend
die hoffnung

ein kind öffnet eine der muscheln
und mit einem wurf
landet eine der perlen
im himmel
und lächelt mir
in der nacht
als
dein
stern
*



furchenrauh taste ich blind vorwärts
geblendet von der sonne
träume ich
wach
zu sein

lächelnd stolpere ich über ein sandkorn
nehm es zur hand
und umarme dich und mich
************************
der alte Leierkasten


der alte Leierkasten
steht im Eck
mit dem Staub der Strasse zugedeckt
das Werkl still
schon lang nicht bewegt
es rührt sich nicht mehr
wen rührts?
Ein alter Mann kauert im Eck
mit Schmutz, mit Staub
sonst unbedeckt
der frierende Körper verzerrt im Schmerz der lebene Finger zeigt
auf **********************************nicht himmelwärts
ein Kind
liegt unbewegt im Eck
des Gitterbetts
die Puppe hat die Augen verdreht
die Arme und Beine
sind nach oben gedreht
wie ein Schrei
ob das Kind noch lebt?
Eine Frau sitzt zusammengekauert am Weg
still nicht unbewegt bewegt sie die Lippen wie im Gebet
murmelt „hörst du nicht wenn ich mit dir red?“
richtet die Augen
auf mich
14.03.09





"die moritat vom leeren schuh"

ein schuh steht leer zerschnitten vornhin
hier waren füsse eines menschen drin
füsse eines namenlosen menschen
waren hier wie hineingeschweißt vom schweiß der unzähligen tage im dreck und staub
herausgeschnitten vielleicht um wenigstens die füss´ zu befreien
hier stehn die schuh-die schuh
ganz allein

ein schuh
steht leer zernschnitten vornhin
das klaffende loch eine offene wunde ein schrei
brüllt mich an
siehst du mich?
wohin ist der mensch der mich trug?
was geschah mit ihm?
wie entsetzt steht zuerst
betroffene stille nach der frage
laut im raum

es steht ein schuh
zerschnitten vornhin
beginnt laut zu schrein in allen sprachen
von einst und jetzt
von ausbeutung hunger schwerstarbeit
ohne lohn
fronarbeit sklavenarbeit zwangsarbeit

tot

ehemalige schuh
sehn als loch verletzt mich tief an
erzählen vom guten glauben und einem schwer arbeitendem mann
und vom leben geben in einem fremden land
von unbedankten mühen und statt dessen
abführn in fesseln
ganz modern heut im flugzeug von der haft in einem schub abschieben
ohne papiere kein mensch
ausgeliefert an unmenschen mit scheinbar allen rechten und machten
die schuh schrein laut weiter ununterbrochen von den ohnmachten auf dieser welt und gequälten menschen von nichtmenschen und ihrem allmachtsglauben vom geld

es wird dunkel und nacht

am frühen morgen steht er noch immer da
als mahnmal
ein schuh
ganz allein und gibt keine ruh
erzählt im morgenrot
von diesem einen menschen nun
von seiner not:
„für meine familie hab ichs getan
bei uns daheim zählt noch das wort von einem mann
doch hier sind die menschen an geld nicht arm
so zählt nicht das wort hier oder der mann
auch nicht die frau oder ein kind
wie konnt ich das wissen?
diese sprache sprech ich nicht

was sag ich daheim?
ich kam hierher um mit aller kraft zu schuften viele tag und nachher frieren nächtelang
macht nix
dacht ich das halt ich schon aus und schuftete weiter
wenn ich gut arbeit zahlt sichs doch aus
wenn ich müd war dacht ich an daheim
an die hände meiner frau an unsere sonne die viel wärmer scheint bei uns und an die kinder draußen vor unserem kleinen vielleicht schäbigen haus
auch ans meer
manchmal ans tanzen und an die musik
so fühlt ich mich nicht so allein
meine hoffnung war schon vor mir daheim

sah mich schon mitten im festlichen tanz
so wie wir eben unsere feste feiern ohne viel geld
jeder im dorf bringt was mit und die musikanten spielen dazu
ach wie gern wär ich jetzt dort
durchhalten und weiterarbeiten
dacht ich in einem fort
denn was wird dann erst für ein fest daheim sein
vielleicht komm ich mit neuen schuhn heim?
und mit geschenken für alle lieben
so hielt ich durch
weil ich weiß
euer geld ist viel mehr wert bei uns daheim
hoffte das würd meine familie sehr freun und sie stolz machen auf mich
doch ganz so dumm war ich auch wieder nicht
ich dacht mir schon ich werd wohl weniger verdienen als lohn
nicht gleichviel wie jeder eingeborene in eurem land
mit einem meldezettel und pass bei der hand
solch einer braucht auch keine arbeitsbewilligung die von uns sowieso keiner kriegt egal wie gern und gut er arbeitet
doch gar nichts?
oder
ist
das
euer lohn?
nach vielen mühen am bau von teuren angeblich gemeinnützigen häusern
als lohn:
eingesperrt
im container
ohne licht ohne strom
im winter eiskalt kurz vor weihnachten
ein containerlebendigbegrabener mensch
dann noch in schubhaft wie ein verbrecher
ohne die sprache der anklage zu verstehn
wehrlos ausgeliefert
abgeliefert um das unrecht
schnell zu vertuschen“

es steht ein schuh
ganz allein müd und leer
spricht sprachenlos
vergiß mich nicht
nicht mich und meinesgleichen
diese schuh
lass ich dir als pfand
als mahnmal
damit du mich niemals vergießt
meine ungelohnte anstrengung schreit der schuh dir ins gesicht
vergiß mich nicht
denn ich bin

du

ein andermal
in einem fremden land wenn du kein meldezettelundpassbesitzer bist
bist du vielleicht ich
mich
würds
nicht
wundern
wenn
von
dir
nicht
einmal
ein

.................. schuh

zur
erinnerung
bleibt



29.01.2010
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